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Finissage:

 

Krimi-Lesung:

Nervenkitzel am Nikolaustag    

VON MONIKA NEUSTÄDTER

 

 

Experten für mörderischen Nervenkitzel haben am Sonntag in der Speyerer Stadtbibliothek für spannende Unterhaltung gesorgt. Zehn Mitglieder der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur „Das Syndikat“ lasen aus ihren aktuellen Büchern.

Weil jede Lesung nur zehn Minuten dauerte, blieben die Mörder unentdecktund die Motive spannende

Fragmente. Lilo Beil hatte ihren Krimi „Kinder im Brunnen“ mitgebracht, dessen Hauptfigur auf einer Speyerer Brücke von einem Stein tödlich getroffen wird. Während er in den Fluss stürzt, läuft sein „Lebensfilm“ rückwärts ab.

„Drei Tage im Mai“ ist das Werk von Wolfgang Burger, der aus der Sicht des Kriminalbeamten Gerlach dessen Probleme und Stimmungen beschreibt.

Hans Dölzer testete zunächst, ob das Publikum zu seiner Zielgruppe gehörte. Dann beschrieb er seine Hauptfiguren bei ihrer kriminalistischen Arbeit in „Kurbelwellen weinen nicht“: zwei im Aussehen wie

in ihrem Wesen völlig gegensätzliche Typen.

In ein Deidesheimer Weingut verlegt Markus Guthmann den Tatort und lässt einen Winzer in „Ein besonderer Jahrgang“ mörderisch agieren.

In Toni Fellers Werk „Die Sünde“ verfolgt der Kommissar einen Tatverdächtigen und gerät dabei selbst als potenzielles Opfer in Lebensgefahr.

Kerstin Lange lässt ihren Kripo-Mann an einer Elwetritsche-Jagd in Speyer teilnehmen und las aus ihrem

Krimi „Der Fluch der Elwetritsche – oder doch ein Serientäter in der Domstadt?“.

Das Sprichwort „Reden ist Silber – Schweigen ist Gold“ wandelte Rita Hausen mit ihrer Krimi-Kurzgeschichte in „Schweigen und zu viel reden kann tödlich sein“ ab. Darin wird eine Ehefrau zur Mörderin, weil das dauerhafte Schweigen ihres Mannes zur Bedrohung gerät.

Sehr blutig wurde es in der kurzen Lesezeit – allein mit sechs Leichen –in „Gefährlicher Treffpunkt“ von Walter Landin. Weiter lasen Harald Schneider aus „Sagenreich“ und Walter Laufenberg aus „Das Mannheimer TT ermittelt“. Der Erlös der Lesung geht an die „Mahlzeit“ Speyer.

Rheinpfalz, 8.12.2015

 

 

Stadtbibliothek Hockenheim

 

Gruppe „LeseZeit“ stellt Anthologie „TafelRunde“ vor / Sieben Autoren tragen breites Spektrum an Texte vor

Bunt wie fallendes Herbstlaub

 

Archiv-Artikel vom Samstag, den 26.09.2015

Von unserer Mitarbeiterin Elke Barker

 

Die "TafelRunde": Rolf Thum, Gaby Feth-Biedermann, Rita Hausen, Marlene Klaus, Karin Bukovac, Stefanie Theobald und Frank Wilberz (von links). | © Bild: Lenhardt

 

Sie treffen sich einmal im Monat unter einem bestimmten Motto zur "TafelRunde". Gemeint ist die Autorengruppe "LeseZeit", die seit 2003 Schreibende aus der Rhein-Neckar-Region vereint. Wer mag und kann, trägt eine passende Kurzgeschichte oder ein Gedicht vor. Die Ergebnisse wurden nun in einer Anthologie zusammengefasst, die die Gruppe in der Stadtbibliothek vorstellte.

Von Satire bis zur Kurzgeschichte

 

Zehn Autoren konnten die beiden Herausgeberinnen Ingrid Samel und Rita Hausen für das Projekt gewinnen, sieben davon waren bereit, ihre Texte (erschienen im Hockenheimer Larimar Verlag) vorzutragen. "Wir sind alle Genies und stehen kurz vor dem Bachmann-Preis", sagte Moderator Rolf Thum. Und dies scheint symptomatisch für die Gruppe zu sein, die ihre Sache ernst, aber nicht ohne Humor nimmt.

 

Bunt wie fallendes Herbstlaub waren die in der Stadtbibliothek vorgetragenen Texte, Satirisches ebenso zu finden wie Nachdenkliches oder Humoriges.

 

Mal wurden Gedichte gelesen, die über den Zusammenhang von Büchern und Wissen, also das "Bücherwissen" räsonierten (Stefanie Theobald), dann wieder solche, die besondere Momente wie den "Lichtstrahl in einem geöffneten Buch" in den Blick nahmen (Marga Fedder, gelesen von Rolf Thum).

 

Nachdenkliche und einfühlsame Farbtupfer gaben Karin Bukovac und Gaby Feth-Biedermann dem Abend. Ihre Lyrik setzte sich mit dem Thema "Angst" ("mich umarmt die Finsternis") oder den sozialen Nöten alter Menschen auseinander. "Als 15-Jährige bin ich dem Blick einer alten Frau begegnet, der mich nie wieder losgelassen hat", erzählte Feth-Biedermann über die Motivation zu ihrem Gedicht "Die Anna".

 

Auch Kurzgeschichten befanden sich unter den bunt gefärbten Blättern. Marlene Klaus schrieb mit "Mit Delfinen schwimmen" ein Plädoyer dafür, auf die innere Stimme zu hören und Träume wahr werden zu lassen, während Rolf Thum in seinem satirischen Text "PC" Forscher einen Supercomputer in Form eines Huhns entwickeln und dieses am Ende bis in die norddeutsche Tiefebene und nach Vietnam reisen ließ.

Da taucht Bach persönlich auf

 

Sehr gelungen war auch Rita Hausens Kurzgeschichte "Transit", in der zwei Wissenschaftler durch ein Wurmloch einen CD-Player in die Vergangenheit schickten und dann nicht wenig erstaunt waren, als eines Tages Johann Sebastian Bach höchstpersönlich bei ihnen auf der Matte stand.

 

Kein Wunder also, dass das (nicht sehr zahlreiche) Publikum Freude an dem literarischen Herbstspaziergang in der Bücherei hatte und gedanklich bei dem einen oder anderen Text verweilte. So beispielsweise bei der - im Übrigen auch sehr gut vorgetragenen - Geschichte "Das letzte Wimmern der angeblichen Stimme vom Gartenhaus in der Lenaustraße" (Frank Wilberz), deren Anti-Helden einen Vergleich mit denen Wilhelm Genazinos nicht zu scheuen brauchten.

 

Last but not least stellte sich die Autorengruppe mit einem Schreibprojekt zu Arnold Böcklins Gemälde "Die Toteninsel" vor. Rita Hausen hatte dazu den Beginn einer Kurzgeschichte geschrieben, die sie selbst und Stefanie Theobald auf ganz unterschiedliche Weise zu Ende erzählten.

© Hockenheimer Tageszeitung, Samstag, 26.09.2015

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR


Kultur: Schriftstellergruppe „Räuber 77“ präsentiert im London Prosa, Lyrik und Kurzkrimis / Nur wenige Besucher

Von Liebenden und Mördern

Von unserer Mitarbeiterin Rosi Israel

Lampertheim. Selbst die Polizisten zeigten Mitleid mit der völlig aufgelöst wirkenden Pfarrfrau Marlene. Was die Gesetzeshüter allerdings nicht wussten: Marlene war die Mörderin. Mit einem Sud aus Herbstzeitlosen hatte sie ihren Mann Anton während eines Urlaubs in der Türkei ermordet.
Die spannende Krimigeschichte "Sonnenstich" stammt aus der Feder von Rita Hausen. Die Autorin gehört dem Literaturverein "Räubern 77" an, die sich am Freitagabend im London Pub mit Kostproben ihrer literarischen Werke präsentierten. Und diese Werke waren breitgefächert: von lyrischer Prosa und politischer Lyrik bis hin zu Kurzkrimis. Die Besucher hörten gebannt zu.
Wenige Besucher
Doch es waren nur nicht viele zur Lesung in die Kulturkneipe gekommen. Warum das so war, das wusste keiner der Organisatoren. Pubbesitzer Friedrich Hackstein ließ die Veranstaltung trotzdem vor kleiner Kulisse austragen.´Nicht zuletzt, weil einige der Autoren viele Fahrkilometer auf sich genommen hatten, um den Lampertheimern ihre Arbeiten zu präsentieren.
Christine Cepok hatte in der Spargelstadt Heimvorteil. Sie wohnt in Hofheim und gab Kostproben ihrer bunten Lyrik. Ihre Zeilen führten mitten hinein in das Leben und offenbarten Gefühle. Helmut Orpel, der Vorsitzende des Literaturvereins, löste seine Stellvertreterin Petra Scheuermann in der Moderation ab. Sie stellte ebenfalls einen Kurzkrimi vor und schlüpfte wie ihre Autorenkollegin in die Rolle der Mörderin.
In ihrem Krimi "Gertenschlank" existierte ebenfalls ein kaltblütiger Plan und dennoch regte die Handlung - trotz der makaberen Geschichte - auch zum Schmunzeln an. Zur Erläuterung erfuhren die Besucher, dass die Opfer im Vorfeld die mörderischen Frauen gedemütigt hatten. "Der Mann muss weg", empfahl eine türkische Kräuterhexe der um ihren Posten gebrachten Chefsekretärin. Das Opfer war in dieser Geschichte ein Vorgesetzter in der Chefetage eines Wormser Pharmaunternehmens.
Eine abenteuerliche Zeitreise unternahm Bernhard Schader in seiner Erzählung "Heldenreise. Altes Format". Er fragte: "Kannst du dir das vorstellen? Ein Mann baut aus Baumstämmen ein Floß und fährt hinaus aufs Meer. Schicksal und Pflicht lassen dem Mann keine Wahl, er muss die Reise antreten. Er kommt zurück, ist gereift." Gesellschaftskritik schwang mit, als er von dem Schicksal eines somalischen Asylanten berichtete, der stets voller Panik auf der Flucht war.
Rosvita Spodek-Walter wollte sich in ihrer politischen Lyrik mit den Zuhörern unterhalten, und zwar über etwas, über das man gerne spreche, vor allem in den Nachrichten. "Nämlich über Geld", erläuterte die Schriftstellerin. "Fangen wir mit einer Milliarde an, eine dankbare Menge Geld."
Mit ihrer sarkastischen Erörterung und einigen Wortspielereien wollte Spodek-Walter Kritik an den Banken üben und die Zuhörer zum Nachdenken auffordern. Im Hintergrund standen die Euro-Krise und die Unterstützung für Länder, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren. Denn die Europäische Zentralbank kaufe Anleihen hoch verschuldeter Staaten. Die Zinsen stiegen oder verharrten auf einem bedenklich hohen Niveau, so Spodek-Walter.
Eine Liebesgeschichte in Paris mit dem Titel "Luisas Nachtwandel" präsentierte Elisabeth Kühhirt-Hildebrandt. Die Autorin erzählte einfühlsam die Geschichte von Luisa und Friedrich, die knapp bei Kasse waren, aber dennoch wunderbare Stunden auf ihrer Reise erlebten, ein Streifzug vom Künstlerdorf Montmartre bis hin zu den Markthallen.

© Südhessen Morgen, Dienstag, 16.04.2013